Bearbeitungen von Standardbass zu Melodiebass

Hallo liebe Akkordeonbegeisterte,

Harmonikainstrumente gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: Taste, Knopf, Melodiebass, Standardbass, Bajan, dann natürlich die diatonischen und so weiter.

Was tun, wenn ich ein Notenheft mit Stücken finde, die ich unbedingt spielen möchte, das aber für einen anderen Instrumententyp gesetzt ist?

Kann ich Standardbass-Noten auf Melodiebass spielen?

Heute erreichte mich die Frage, ob man Noten, die für Standardbass gesetzt sind, in Melodiebass übertragen kann.

Also prinzipiell ist das möglich. Aber wie immer, kommt es darauf an, was an Ausgangsmaterial vorhanden ist. Findest Du in einer Standardbass-Notenausgabe ein Menuett von Bach und möchtest es auf Melodiebass spielen, würde ich mir eher das Original heraussuchen. Übertragungen aus der Barockzeit auf Standardbass reduzieren die linke Hand notwendigerweise. Deshalb ist eine Übertragung zurück mit der Standardbassausgabe als Ausgangsmaterial schwierig. 

Anders sieht es aus, wenn es zum Beispiel um ein Volkslied geht. Hier ist allerdings etwas Geschick als Arrangeur gefragt. Denn mit Melodiebass gibt es eine Fülle von Möglichkeiten ein Volkslied zu begleiten und fantasievoll zu gestalten. Da kommt es tatsächlich auf den Einzelfall an.

Keine Angst vor Arrangements

Arrangements gibt es seit es Musik gibt. Schon immer wurden Stücke von einem Instrument auf ein anderes übertragen. Oft schon von den Komponisten selbst. Faszinierend finde ich es, wenn ein Stück völlig neue Klangwelten von sich zeigt, einfach dadurch, dass die Besetzung geändert wird. Kürzlich habe ich mit meinem Trio Más Que Dos eine CD eingespielt. Wir bestehen aus der wunderbaren Sopranistin Anna Escala, der großartigen Klarinettistin Elke Bürger und mir am Akkordeon. Das ist eine Besetzung, für die es quasi nichts im Original gibt. Wir mussten uns also alles selbst arrangieren. So sind zum Beispiel zwei Arrangements der Bachianas Brasileiras von Villa-Lobos entstanden. Egal in welcher Fassung man diese Stücke kennt, nie sind sie so gläsern und durchscheinend, zeigen so viele Details wie durch diese Instrumentation. Zumindest empfinde ich es so. 

Der Mangel des Akkordeons ist sein Reichtum

Ich zitiere hier absichtlich mal falsch. (Eigentlich: Was die Mängel des Menschseins ausmacht, ist sein gleichzeitig sein Reichtum …-Heinrich Roth) 

Das Akkordeon ist ein relativ junges Instrument und hat deshalb im Vergleich zu anderen verhältnismäßig wenig Original-Literatur. Deshalb spielen wir fast zwangsläufig viele Übertragungen von anderen Instrumenten. Da wir das gewohnt sind, steht uns aber eine Literaturfülle zur Verfügung wie niemandem sonst. Weil wir in der Bibliothek nicht nur im Akkordeonregal nach Noten für uns suchen, sondern einfach überall. Und was nicht für uns geschrieben ist, das richten wir uns eben ein.

An dieser Stelle interessiert mich natürlich brennend, welche Stücke Ihr aus welchem Original wie transponieren wollt. Schreibt mir gern in die Kommentare. Vielleicht kann ich helfen und wir finden die richtigen Noten für das jeweilige Stück.

Liebe Grüße

Janina

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4 Kommentare zu „Bearbeitungen von Standardbass zu Melodiebass“

  1. Hallo Janina,
    in erster Linie geht es mir persönlich um eine allgemeine Herangehensweise, wenn man sozusagen überhaupt keinen Plan hat wie man das transponieren anstellen soll.
    Im meinen Fall sind es zur Zeit 2 Stücke um die es sich handelt: Das eine ist ein Video Tutorial von „Leave Her Johnny“ (https://www.youtube.com/watch?v=A1muC13QCHk&t=5s) ein Arrangement von Uncle Kosta.
    Wenn ich richtig verstanden und übersetzt habe, die Akkordfolge -D-A7-D-A-D- D7-G-E-G-G-A-D usw, das Diskant spielen ist kein Problem mehr 😉 hatte ja ne gute Inet-Schule bei Dir :-))
    Das andere Stück ist ein Arrangement von Matthias Matzke (gekaufte Noten) -The Wellerman-
    Da geht’s auch beim Diskantspiel voll zur Sache und bin noch am üben.
    Was das Bassspiel angeht hänge ich in der Luft, weil eben kein Plan wie ich das angehen soll.
    Übrigens herzlichen Dank, dass Du dies in deinen Block aufgenommen hast.
    Viele Liebe Grüße Kalle

  2. Hallo Kalle,
    ich finde es großartig, dass Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt. Du bist schon auf der richtigen Spur. Du hast die Akkordfolgen. Damit kannst Du jetzt anfangen, selbst Begleitungen zu arrangieren.
    Da gibt es unzählige Möglichkeiten. Fang mal mit dieser hier an:
    Jeder Dur- und jeder Mollakkord hat als Rahmenintervall eine Quinte. Mit dieser kannst Du schon eine einfache Begleitung bauen.
    Zum Beispiel: D-A7-D-A-D. Die Quinten dieser Akkorde sind D+A, A+E, D+A, A+E, D+A. Also jeweils Grundton und Quinte. Das ist eine der ältesten Begleitformen, die es gibt.
    Jetzt kannst Du ausprobieren, in welcher Lage, also wie hoch oder tief, und in welchem Rhythmus diese Töne passen.
    Probier das mal aus und schreib mir, ob es klappt.

    Liebe Grüße
    Janina

  3. Hallo Janina,

    habe deinen Rat befolgt und das Stück von „Leave her Johnny“ im Bass mit Quinten arrangiert anstatt mit Standartbass Akkorden, sozusagen ein bisschen rumprobiert via „Musescore“, bin gerade dabei spielerisch die Diskant und Bassseite übereinander zu bringen.
    Dies hört sich schon ganz gut an, aber dieses Stück sollte eher einen Wehmütigen Touch haben, meiner Meinung nach, da ja der “ Liebe Johnny“ mit den Gedanken spielt seine Liebste zu verlassen. Bei meinen Arrangement hört sich das an als würde “ Johnny “ eher einen Sonntagsspaziergang machen und sich dabei köstlich amüsieren. Also egal was ich Versucht habe, diesen Wehmütigen Klang bringe ich nicht hin. Auch ein Transponieren in einer anderen Tonart, natürlich via Software, hat nicht den Gewünschten Effekt.
    Wie kann ich dieses Problem lösen?
    Schon mal vielen Dank im voraus. LG Kalle

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